09.06.2017

Gut vorbereitet auf alle möglichen Risiken

Was tun, wenn Ihnen ein wichtiger Lieferant abspringt, Wasser in Ihr Warenlager eindringt oder die grösste Produktionsmaschine ausfällt? Treffen solche Situationen ein KMU unvorbereitet, können sie das Tagesgeschäft empfindlich stören und sogar existenzgefährdend sein. Clever reagieren kann ein KMU dann, wenn es gute Strategien im Umgang mit Risiken entwickelt hat. Oder anders gesagt: Wenn im KMU ein professionelles Risikomanagement verankert ist. Wie dies in der Praxis geht, ohne unnötig viele Ressourcen zu verbrauchen, zeigt folgendes Vorgehen in fünf Schritten.

Schritt 1: Schaffen Sie in Ihrem KMU ein Risikobewusstsein.

Der erste Schritt zu einem professionellen Umgang mit Risiken im KMU ist eine Standortanalyse. Stellen Sie sich dazu folgende Fragen:

  • Wie ist das Unternehmen strukturiert und organisiert?

  • Welche Führungsinstrumente wie zum Beispiel Auswertungen der Finanzbuchhaltung sind bereits im Einsatz?

  • Hat das Unternehmen Erfahrungen im Umgang mit Risiken? Wenn ja: Wie wurden diese identifiziert, überwacht und dokumentiert?

  • Wie sieht die EDV-Landschaft inklusive Software, Hardware, Speicherung und Sicherheit aus und was kann diese zu einem professionellen Umgang mit Risiken beitragen?

Schritt 2: Identifizieren Sie die Risiken.

Im nächsten Schritt bei der Risikoidentifikation werden die möglichen Risiken des Unternehmens identifiziert. Dazu gehören zum Beispiel Liquiditäts-, Markt-, Produkt- und Beschaffungsrisiken. Die Risikoidentifikation beginnt in der Regel mit einer Stärken-Schwächen-Analyse, die im Rahmen eines Workshops erarbeitet wird. Die identifizierten Risiken werden in einem Risikokatalog aufgelistet. Ein Beispiel: Ein Geschäft für Kleidermode identifizierte als mögliche Risiken: «Wasserschaden im Warenlager» und «Abspringen eines Hauptlieferanten».

Schritt 3: Bewerten Sie die Hauptrisiken nach Eintretenswahrscheinlichkeit und Schadenpotenzial.

Ist der Risikokatalog definiert, wird eine grobe Risikobewertung für alle identifizierten Risiken vorgenommen. Diese gibt Antwort auf die Frage, wann ein Risiko für das KMU tragbar ist und wann nicht – und zwar aufgrund folgender zwei Dimensionen:

  • Die Eintretenswahrscheinlichkeit beschreibt die Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Risikos. So gibt sie zum Beispiel Antwort auf die Fragen: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Wasserschaden eintritt oder der Lieferant abspringt?

  • Das Schadenpotenzial beschreibt den Effekt, den das Eintreffen eines Risikos – also etwa der Wasserschaden – tatsächlich haben kann. Für die Beurteilung wird wenn immer möglich ein finanzieller Wert wie die direkten Schadenkosten für die Beseitigung des Wasserschadens und die indirekten Kosten für entgangene Umsätze durch das Schliessen des Ladens bis zur Wiedereröffnung angenommen. Da nicht jedes Risiko finanziell bewertet werden kann, besteht auch die Möglichkeit, Risiken auf qualitative Weise zu beurteilen. In solchen Fällen wird bewertet, welche Schäden das Risiko anrichten würde oder welcher Aufwand entstehen würde, um die Situation zu kontrollieren. Das Ergebnis der Risikobewertung wird grafisch in Form einer Risikomatrix dargestellt.

Schritt 4: Analysieren Sie die Risiken im Detail, entscheiden Sie sich für die passende Risikostrategie und treffen Sie gezielte Massnahmen.

Die Hauptrisiken müssen nun detailliert analysiert werden. Das KMU legt zudem für alle Hauptrisiken angemessene Strategien fest. Strategien können darin bestehen, ein Risiko zu vermeiden, zu vermindern, zu überwälzen oder zu akzeptieren. In der Praxis werden diese Strategien oft kombiniert angewendet. Schliesslich definiert das KMU passende Massnahmen und weist die Risiken einem Mitarbeitenden zu, der diese dann im Sinne eines Risikoverantwortlichen fortlaufend überwacht.

Schritt 5: Setzen Sie das Risikomanagement im Geschäftsalltag um.

Jetzt, da die erforderlichen Massnahmen feststehen, wird das Risikomanagement im KMU umgesetzt. Um alle Entscheidungen und Prozesse unter Kontrolle zu haben, werden entsprechende Dokumente erstellt. Diese dienen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als Grundlage bei der Wahrnehmung ihrer Risikomanagementverantwortung. Ein wichtiges Element ist eine regelmässige Berichterstattung der Risikoverantwortlichen, die den Umsetzungsstatus der einzelnen Massnahmen aufzeigt.

Quelle: Artikel von Urs Frey aus dem Magazin «ku – Führung von Kleinunternehmen» zum Thema Risikomanagement

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