27.11.2017

Die digitale Transformation schreitet voran

Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat in Zusammenarbeit mit PostFinance eine Onlinebefragung zur digitalen Transformation in Schweizer Unternehmen durchgeführt. Was dabei herausgekommen ist, erklärt Dr. Marc K. Peter, Leiter des Zentrums für Digitale Transformation und Marketing an der Hochschule für Wirtschaft der FHNW.

Dr. Marc K. Peter, was ist das Ziel der Studie zur digitalen Transformation in Schweizer Unternehmen?

Sie soll einerseits einen Überblick über den aktuellen Stand insbesondere bei KMU geben. Andererseits sollen die identifizierten Handlungsfelder mittels Checklisten, Praxisbeispielen und Tools KMU einfach und verständlich zugänglich gemacht und so ein wesentlicher Beitrag zur Weiterentwicklung ihrer Marktfähigkeit geleistet werden.

Haben die befragten KMU die Wichtigkeit der digitalen Transformation erkannt?

Durchaus. 73 Prozent der KMU erachten die digitale Transformation als relevant. Lediglich bei 10 Prozent der Befragten wird das Thema nicht oder nur mit geringer Priorität eingestuft.

Warum befassen sich Unternehmen mit dem Thema?

Bei KMU liegt der Hauptgrund für Transformationsprojekte bei effizienteren Prozessen, veränderten Kundenanforderungen und technischen Weiterentwicklungen. Obwohl Kosteneinsparungen, neue Vertriebswege und der Konkurrenzdruck auch eine Rolle spielen, geht es in erster Linie um die Wertschöpfungskette: Wie kann Technologie sinnvoll eingesetzt werden, um die Prozesse effizienter auf die Kundenbedürfnisse auszurichten?

Gibt es Branchen, die sich intensiver mit der digitalen Transformation auseinandersetzen als andere?

Hochaktuell ist das Thema bei Finanzdienstleistern und Energieversorgern, da hier die Kundenschnittstellen früh digitalisiert wurden oder ein grosser Nachholdbedarf besteht. Aber auch im Gastgewerbe und in der Baubranche sehen wir eine höhere Relevanz, weil die Kunden neue Anforderungen haben.

In welchen Unternehmensbereichen ist die Einführung neuer Technologien geplant oder bereits umgesetzt worden?

Hier gibt es einen tollen Mix von geplanten Projekten rund um das Prozessmanagement: im Datenbereich mit einem speziellen Fokus auf Kundendaten und CRM-Systemen, in der IT-Sicherheit sowie im Hinblick auf neue, digitale Vertriebs- und Kommunikationsplattformen. In etwa der Hälfte aller KMU wurden unlängst neue interne Kommunikationsplattformen und Informationssysteme umgesetzt. Zudem wurden bei 38 Prozent der KMU Projektmanagementlösungen implementiert.

Sehen die Befragten mögliche Gefahren im Zusammenhang mit der digitalen Transformation?

Rund 60 Prozent der Schweizer KMU sehen das grösste Risiko beim Datenschutz und bei der IT-Sicherheit. Erst dann folgen Themen wie der Fachkräftemangel und mögliche Arbeitsplatzverluste. Finanzielle Risiken für Transformationsprojekte stufen KMU als relativ gering ein.

Welche Gründe führen KMU an, die sich (noch) nicht mit dem Thema befassen?

Die Hälfte aller KMU nennt den hohen Zeitaufwand als grösste Barriere. Als weiterer Grund wird das fehlende Know-how genannt. Hier gibt es sicher viel Bedarf an Weiterbildung und praktischer, wirtschaftlich sinnvoller Unterstützung von Verbänden und Beratungsfirmen.

Wie ist der aktuelle Stand? Schreiten die Digitalisierungsprojekte in den Unternehmen voran?

Ja. 63 Prozent der befragten KMU haben bereits neue Technologien eingeführt und 25 Prozent sind gerade aktiv an Projekten oder planen neue Vorhaben. Dabei fällt auf, dass KMU und Grossunternehmen den Fortschritt ihrer Aktivitäten in etwa gleich einschätzen. Grössere Unternehmen haben bei Digitalisierungsprojekten also nicht zwingend einen Vorteil gegenüber KMU.

Gibt es überraschende Erkenntnisse oder Ergebnisse, mit denen Sie nicht gerechnet hatten?

Mir fällt auf, dass das Thema Kultur nicht zu kurz kommt. Wir sind davon ausgegangen, dass viele Unternehmen mit der digitalen Transformation hauptsächlich IT-Projekte vorantreiben. Der Einfluss auf die Unternehmenskultur wird mit 73 Prozent aber relativ hoch bewertet. Hier geht es um Teamarbeit, bessere Kommunikation sowie mehr Transparenz. Zudem finde ich es bemerkenswert, dass es bei 67 Prozent der KMU bereits zu einer Anpassung der Strategie oder sogar der Erarbeitung einer komplett neuen Gesamtstrategie gekommen ist. Wir können also sagen, dass sich die Schweizer KMU sowohl der Notwendigkeit als auch dem Nutzen der digitalen Transformation bewusst sind.

Umfassende Studie

Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat in Zusammenarbeit mit PostFinance im Zeitraum von April bis Mai 2017 eine Onlinebefragung bei 2’590 Schweizer Fachkräften (davon 1’593 von KMU) zum Thema digitale Transformation durchgeführt. Die ausführlichen Ergebnisse der Studie stehen online und als PDF zum Herunterladen zur Verfügung: www.kmu-transformation.ch

Mehr Informationen

www.kmu-transformation.ch
www.fhnw.ch